Windflüchter

An den Küsten der vorpommerschen Boddenlandschaft stürmt es jetzt im Frühling grad wieder ordentlich. Ein entspannter Spaziergang am Strand ist für die weniger wetterfesten Ausflügler im Moment daher eher achtern Deich angenehm. Doch das ist überhaupt nicht schlimm, denn hier gibt es ein paar wirkliche Kämpfer zu bestaunen: die Windflüchter.

Ich gestehe, der Begriff Windflüchter stellt für mich immer wieder die pure Faszination dar. Es ist nämlich eine gebräuchliche Bezeichnung für einen durch ständigen, starken Wind zur Seite gebeugten Baum.

Ich wiederhole nochmal: “eine gebräuchliche Bezeichnung für einen […] Baum”! Windflüchter. Baum. Das ist pure Ironie, finde ich.

Warum? Naja, also ich frage mich sofort, wo er denn hin fliehen will der Baum?! Und wie soll das gehen? Zu Fuß oder vielleicht per Anhalter mit dem Auto? Also wirklich!

Was mich aber noch mehr fasziniert als die Bezeichnung ist generell die Tatsache, dass diese Bäume dies tun – sich zur Seite neige, um den Widerstand, den ihre Starrheit dem Wind bietet, zu mindern. Ziehe ich nämlich an dieser Stelle zum Vergleich den gemeinen Homo sapiens heran, so hat dieser als Flüchter bezeichnete Baum denke ich teilweise echt die stärkeren Nerven.

Vermutlich hätte selbst ich bei so stetigem Bedrängen längst Reißaus genommen. Ja, okay! Natürlich auch nur, weil ich es kann.

Daher lasse ich mich von diesen bewundernswerten Riesen belehren und ermahnen, die mir zuflüstern: lass Dir nicht den Halt nehmen!

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